Festgeldleiter und Zinstreppe: Geld auf mehrere Laufzeiten verteilen

Wer Festgeld anlegt, muss sich auf eine Laufzeit festlegen, und jede Laufzeit ist eine Wette auf die Zinsentwicklung. Binden Sie Ihr Geld für vier Jahre und die Zinsen steigen, entgeht Ihnen der höhere Zins; legen Sie nur für ein Jahr an und die Zinsen fallen, bekommen Sie bei der Wiederanlage weniger. Die Zinstreppe, auch Festgeldleiter oder Festgeldtreppe genannt, nimmt Ihnen diese Entscheidung ab: Sie verteilen den Betrag auf mehrere Festgelder mit gestaffelten Laufzeiten, sodass jedes Jahr ein Teil fällig wird.

Die Strategie ist gut, wird aber häufig überverkauft. Eine Zinstreppe schlägt nicht den Markt, und ihren Mehrertrag gegenüber kurzen Anlagen verdankt sie allein dem Umstand, dass Banken für längere Laufzeiten mehr zahlen. Fehlt dieser Aufschlag, bringt sie vor allem Ordnung und Planbarkeit. Wer das verstanden hat, kann die Treppe gezielt einsetzen und erkennt schnell, wann die fertige „Zinstreppe“ der Hausbank eher der Bank nützt als dem Sparer.

Wie eine Zinstreppe funktioniert

Angenommen, Sie möchten 40.000 Euro für mehrere Jahre sicher anlegen, wissen aber nicht, ob Sie zwischendurch etwas davon brauchen. Statt den ganzen Betrag in ein einziges Festgeld zu stecken, eröffnen Sie vier Festgelder zu je 10.000 Euro mit Laufzeiten von einem, zwei, drei und vier Jahren. Nach einem Jahr wird das erste fällig. Brauchen Sie das Geld nicht, legen Sie es wieder an, und zwar für vier Jahre, also auf der obersten Stufe der Treppe. Ein Jahr später läuft das ursprünglich zweijährige Festgeld aus, und Sie verfahren genauso.

Nach drei Jahren ist die Treppe aufgebaut. Ab dann liegt Ihr gesamtes Geld in Vierjahresfestgeldern, die Sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten abgeschlossen haben, und jedes Jahr wird genau eines davon fällig. Darin liegt der eigentliche Kniff der Strategie: Sie erhalten den Zins der langen Laufzeit, kommen aber trotzdem jedes Jahr an ein Viertel Ihres Geldes heran.

Die Begriffe werden uneinheitlich verwendet. Zinstreppe, Festgeldtreppe, Festgeldleiter, Treppen- oder Leiterstrategie meinen dasselbe; im Englischen ist von Laddering die Rede. Nicht verwechseln sollten Sie die Strategie mit Sparprodukten, deren Zins von Jahr zu Jahr steigt. Auch sie laufen bei manchen Banken unter dem Namen Zinstreppe, funktionieren aber anders und haben ihre eigenen Tücken.

Ein Beispiel: 40.000 Euro auf vier Stufen

Für unser Rechenbeispiel nehmen wir eine leicht ansteigende Zinsstruktur an, wie sie bei Festgeld üblich ist: 2,60 Prozent für ein Jahr, 2,75 Prozent für zwei, 2,90 Prozent für drei und 3,00 Prozent für vier Jahre. Das sind Annahmen, keine aktuellen Angebote. Die Zinsen werden jährlich ausgezahlt, Steuern lassen wir vorerst beiseite.

Stufe Betrag Laufzeit Zins (Annahme) Zinsen im ersten Jahr
1 10.000 € 1 Jahr 2,60 % 260 €
2 10.000 € 2 Jahre 2,75 % 275 €
3 10.000 € 3 Jahre 2,90 % 290 €
4 10.000 € 4 Jahre 3,00 % 300 €
Gesamt 40.000 € Ø 2,81 % 1.125 €

Im ersten Jahr bringt die Treppe 1.125 Euro, rund 2,81 Prozent auf den Gesamtbetrag. Bleiben die Zinsen unverändert und legen Sie jede fällige Stufe für vier Jahre zu 3,00 Prozent neu an, steigen die jährlichen Zinsen auf 1.165, dann auf 1.190 und schließlich auf 1.200 Euro. Vom vierten Jahr an bringt das gesamte Kapital den Vierjahreszins.

Den Preis für die jährliche Verfügbarkeit zahlen Sie in der Aufbauphase. Hätten Sie die 40.000 Euro gleich vollständig für vier Jahre angelegt, wären in diesen vier Jahren 4.800 Euro Zinsen zusammengekommen, mit der Treppe sind es 4.680 Euro. Die 120 Euro Differenz sind der Betrag, den Sie dafür aufwenden, dass Ihnen jedes Jahr ein Viertel des Geldes zur Verfügung steht. Ist die Treppe einmal aufgebaut, kostet diese Flexibilität bei unveränderten Zinsen nichts mehr.

Was die Treppe bringt, wenn sich die Zinsen bewegen

Interessant wird die Treppe erst, wenn sich die Zinsen ändern. Wir haben das Beispiel deshalb mit drei Szenarien durchgerechnet: Die Zinsen bleiben gleich, sie fallen nach dem ersten Jahr für alle Laufzeiten um einen Prozentpunkt, oder sie steigen um einen Prozentpunkt. Wir vergleichen die Treppe mit zwei Alternativen, die dieselben 40.000 Euro anders anlegen: einmal jedes Jahr neu für ein Jahr, einmal von Anfang an vollständig für vier Jahre.

Zinsentwicklung ab dem zweiten Jahr Jedes Jahr für ein Jahr Zinstreppe Alles für vier Jahre
gleichbleibend 4.160 € 4.680 € 4.800 €
minus 1 Prozentpunkt 2.960 € 4.080 € 4.800 €
plus 1 Prozentpunkt 5.360 € 5.280 € 4.800 €

Zinsen in den ersten vier Jahren, Rechenbeispiel ohne Steuern und Zinseszins.

Die Tabelle zeigt, was die Treppe leistet und was nicht. Sie gewinnt in keinem Szenario: Fallen die Zinsen, hätte die lange Anlage am meisten gebracht, steigen sie, die kurze. Sie verliert aber auch in keinem, und ihr Rückstand auf den jeweiligen Sieger bleibt überschaubar. Bei steigenden Zinsen liegt sie 80 Euro hinter der kurzen Anlage, bei fallenden 720 Euro hinter der langen. Wer dagegen jedes Jahr nur für ein Jahr anlegt und in eine Phase sinkender Zinsen gerät, erhält 1.840 Euro weniger als mit der langen Anlage, und wer alles für vier Jahre festlegt, verschenkt bei steigenden Zinsen 560 Euro.

Das ist der Kern der Strategie: Sie tauschen die Chance auf das beste Ergebnis gegen die Gewissheit, nie das schlechteste zu erzielen. Da niemand die Zinsentwicklung der nächsten Jahre verlässlich vorhersagen kann, halten wir das für einen guten Tausch.

Unsere Rechnung endet nach vier Jahren. In der Praxis läuft die Treppe weiter, und jedes Jahr wird eine Stufe zu den dann geltenden Konditionen erneuert. Auf Dauer bringt eine aufgebaute Treppe deshalb ungefähr den Durchschnitt der Vierjahreszinsen der zurückliegenden vier Jahre. Sie glättet den Zins: Steigen oder fallen die Zinsen, kommt die Änderung nicht auf einen Schlag bei Ihnen an, sondern Jahr für Jahr mit jeder erneuerten Stufe.

Woher kommt der Mehrertrag der Treppe?

Unser Beispiel beruht auf einer Annahme, die über den Erfolg der Strategie entscheidet: Die Bank zahlt für vier Jahre mehr als für eines. Dieser Aufschlag, die Laufzeitprämie, ist die einzige Quelle des Mehrertrags gegenüber kurzen Anlagen. Im Beispiel beträgt er 0,4 Prozentpunkte. Auf 40.000 Euro sind das, sobald die Treppe aufgebaut ist, 160 Euro im Jahr mehr als bei einer einjährigen Anlage.

In aller Regel zahlen Banken für längere Laufzeiten höhere Zinsen, weil sie mit dem Geld länger planen können und Sparer für die Bindung entschädigt werden wollen. Ökonomen sprechen dann von einer normalen Zinsstruktur. Ein Naturgesetz ist das nicht. Erwarten die Märkte sinkende Zinsen, kann sich die Kurve abflachen oder sogar umkehren, und dann bekommen Sie für ein Jahr ebenso viel oder mehr als für vier.

Wie unterschiedlich Banken die einzelnen Laufzeiten verzinsen, zeigen zwei regionale Angebote aus dem Herbst 2026. Die VR-Bank Mitte staffelt ihre Zinstreppe klassisch von 2,10 Prozent für ein Jahr bis 3,00 Prozent für fünf Jahre (Stand 5. Oktober 2026). Die Kreissparkasse Bitburg-Prüm zahlt in ihrer S-Zinstreppe dagegen 2,50 Prozent für ein Jahr, für zwei bis vier Jahre aber nur 2,20 bis 2,30 Prozent (abgerufen am 9. Oktober 2026). Bei einer solchen Struktur legen Sie jede fällige Stufe für vier Jahre zu einem niedrigeren Zins an, als Sie für ein Jahr bekämen. Rechnen wir unser Beispiel mit einer umgekehrten Struktur von 3,00 Prozent für ein Jahr und 2,70 Prozent für vier Jahre, bringt die aufgebaute Treppe 1.080 Euro im Jahr, die einjährige Anlage 1.200 Euro. Aufgehen kann die Rechnung dann nur, wenn die Zinsen anschließend so deutlich fallen, wie es eine solche Zinsstruktur nahelegt.

Für Sparer hat sich die Ausgangslage 2026 verschoben: Die Europäische Zentralbank hat ihren Einlagensatz zweimal angehoben, im Juni erstmals seit 2023 auf 2,25 Prozent und im September auf 2,50 Prozent (EZB). Ob weitere Schritte folgen, ist offen, und genau für eine solche Lage ist die Treppe gemacht. Über ihren Nutzen entscheidet aber nicht der Leitzins, sondern der Abstand zwischen den Zinsen für ein und für vier oder fünf Jahre bei den Banken, die für Sie infrage kommen. Diesen Abstand sollten Sie prüfen, bevor Sie die erste Stufe abschließen.

Wann sich die Staffelung nicht lohnt

Die Treppe passt zu einer bestimmten Ausgangslage: Sie haben einen größeren Betrag, der über Ihre Reserve hinausgeht, keinen festen Verwendungszweck dafür und keine verlässliche Vorstellung von der Zinsentwicklung. In anderen Fällen gibt es bessere Lösungen.

Bei kleinen Beträgen. Teilen Sie 8.000 Euro auf vier Stufen zu je 2.000 Euro auf, bringt die Laufzeitprämie aus unserem Beispiel 32 Euro im Jahr. Dafür vier Festgelder zu eröffnen, im Blick zu behalten und Jahr für Jahr neu anzulegen, lohnt sich kaum, zumal viele Banken je Festgeld eine Mindestanlage verlangen, die so kleine Stufen gar nicht zulässt. Die drei Bankpakete, die wir uns angesehen haben, setzen 10.000 bis 15.000 Euro voraus. Unsere Faustregel: Unter 20.000 Euro lohnt der Aufwand selten.

Bei einem festen Termin. Wenn Sie wissen, dass Sie in zwei Jahren 20.000 Euro für ein Auto brauchen, ist ein zweijähriges Festgeld die naheliegende Lösung. Eine Treppe würde einen Teil des Geldes länger binden als nötig und einen anderen früher freigeben, als Sie ihn brauchen.

Für den Notgroschen. Die Treppe gibt jedes Jahr Geld frei, aber nicht dann, wenn die Heizung ausfällt. Im ungünstigsten Fall warten Sie fast ein Jahr auf die nächste Fälligkeit, und eine vorzeitige Kündigung sehen Festgeldverträge in der Regel nicht vor. Ihre Reserve für unvorhergesehene Ausgaben gehört deshalb auf ein Tagesgeldkonto. In die Treppe kommt nur, was darüber hinausgeht.

Bei flacher oder umgekehrter Zinsstruktur. Zahlen die Banken für vier Jahre nur wenig mehr als für eines, bringt die Treppe kaum mehr Ertrag als ein einjähriges Festgeld, das Sie jedes Jahr erneuern. Sie behält dann nur ihre Schutzwirkung gegen fallende Zinsen. In dieser Lage können Sie fällige Stufen auch vorübergehend auf dem Tagesgeldkonto oder in einem kürzeren Festgeld parken und die Treppe erst wieder verlängern, wenn sich der Abstand vergrößert.

Wenn Sie sich nicht kümmern wollen. Eine selbst gebaute Treppe verlangt, dass Sie bei jeder Fälligkeit aktiv werden. Wer das erfahrungsgemäß vergisst, landet bei der automatischen Verlängerung der Bank, und die verträgt sich schlecht mit der Treppe.

Die Treppe nach den eigenen Terminen bauen

Die meisten Erklärungen zeigen symmetrische Treppen mit gleich großen Stufen im Jahresabstand. Das ist ein guter Ausgangspunkt, aber keine Pflicht. Am meisten bringt die Treppe, wenn ihre Fälligkeiten zu Ihren Plänen passen.

Drei bis fünf Stufen sind üblich. Mehr Stufen bedeuten eine längere Höchstlaufzeit und damit meist höhere Zinsen, aber auch eine längere Aufbauphase und eine längere Bindung jeder einzelnen Stufe. Über fünf Jahre hinaus würden wir nicht gehen; auch die Stiftung Warentest rät Sparern, sich nicht länger als fünf Jahre festzulegen. Oft steigen die Zinsen jenseits von drei Jahren ohnehin nur noch wenig, bei der VR-Bank Mitte etwa um 0,1 Prozentpunkte je zusätzlichem Jahr. Mit einer fünften Stufe kaufen Sie dann vor allem zusätzliche Bindung ein.

Die Stufen müssen auch nicht gleich groß sein. Steht in drei Jahren eine größere Anschaffung an, kann die dreijährige Stufe entsprechend größer ausfallen. Wer zusätzliches Geld nachlegen möchte, kann es bei der nächsten Fälligkeit zur frei werdenden Stufe hinzufügen, statt ein weiteres Festgeld außerhalb der Treppe zu eröffnen.

Wer häufiger an Geld kommen möchte, kann die Abstände verkürzen, etwa auf sechs Monate mit Laufzeiten von sechs bis 24 Monaten. Die Treppe wird dadurch beweglicher, bringt aber nur noch den Zins der kürzeren Höchstlaufzeit. Viele Sparer ergänzen die Treppe außerdem um ein Tagesgeldkonto, das den Notgroschen hält und frei werdende Stufen auffängt, bis ein passendes neues Festgeld gefunden ist.

Fertige Zinstreppen der Banken: bequem, aber selten günstig

Bei vielen Volksbanken und einigen Sparkassen können Sie eine Zinstreppe als fertiges Paket abschließen. Die Bank teilt den Anlagebetrag gleichmäßig auf mehrere Festgelder oder Sparkassenbriefe auf und legt fällige Stufen automatisch für die längste Laufzeit wieder an, sofern Sie nichts anderes verfügen. Das ist bequem: Sie stellen einen einzigen Antrag, und die Treppe hält sich von selbst in Form.

Der Haken liegt in den Zinsen. Sie bekommen auf jeder Stufe den Satz dieser einen Bank und bei jeder Wiederanlage den Satz, den sie dann gerade bietet. Wie stark das ins Gewicht fallen kann, zeigt die VR-Zinstreppe der Volksbank Lahr (Stand 21. September 2026). Die einjährige Stufe ist dort mit 4,00 Prozent verzinst, die zwei- und die dreijährige mit je 2,00 Prozent. Der auffällige Zins gilt also für ein Drittel des Geldes und für ein Jahr.

Legen Sie die Mindestsumme von 15.000 Euro an, bringen die drei Festgelder über ihre ursprünglichen Laufzeiten zusammen 700 Euro Zinsen, im Durchschnitt 2,33 Prozent pro Jahr. Mit den deutlich zurückhaltender beworbenen Sätzen der VR-Bank Mitte für ein, zwei und drei Jahre (2,10, 2,20 und 2,80 Prozent) wären es 745 Euro gewesen. Hinzu kommt, dass die fällige erste Stufe automatisch in ein Dreijahresfestgeld wandert, für das die Volksbank Lahr derzeit 2,00 Prozent zahlt. Der hohe Einstiegszins wirkt also genau ein Jahr, der Zins der obersten Stufe dagegen, solange die Treppe läuft, und den legt die Bank bei jeder Wiederanlage neu fest.

Fertige Zinstreppen halten wir deshalb nur dann für sinnvoll, wenn Ihnen eine einzige Bankverbindung wichtiger ist als einige Zehntelprozentpunkte und die Bank auf allen Stufen marktgerechte Zinsen zahlt. Rechnen Sie in jedem Fall den Durchschnittszins über alle Stufen aus und achten Sie besonders auf den Zins der längsten Stufe, denn in diese fließt später das gesamte Geld. Der Werbezins einer einzelnen Stufe sagt über das Angebot fast nichts.

Wenn „Zinstreppe“ ein Produkt mit steigendem Zins meint

Manche Banken verwenden den Begriff für etwas ganz anderes: eine einzige Anlage, deren Zins von Jahr zu Jahr steigt. Solche Produkte heißen Zuwachssparen, Wachstumssparen oder Zinswachstum. Ältere Sparer kennen das Prinzip vom Bundesschatzbrief Typ A mit seinen jährlich steigenden Zinsen, den der Bund bis Ende 2012 ausgegeben hat (Gabler Wirtschaftslexikon).

Diese Produkte haben einen echten Vorzug: Viele lassen sich nach einer Sperrfrist kündigen, nach Angaben der Stiftung Warentest meist nach 9 bis 24 Monaten. Damit sind sie beweglicher als ein Festgeld. Der Preis dafür steckt im Zinsverlauf, denn die Sätze sind in den ersten Jahren oft niedrig, und die hohen Zinsen am Ende bekommen nur Sparer, die bis zum Schluss durchhalten.

Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Sätzen: Ein fünfjähriger Zuwachssparvertrag mit 2,0, 2,5, 3,0, 3,5 und 4,0 Prozent bringt im Durchschnitt 3,0 Prozent pro Jahr, auch wenn die Bank mit „bis zu 4,0 Prozent“ wirbt. Wer nach zwei Jahren kündigt, weil er das Geld braucht oder anderswo mehr bekommt, hat im Schnitt nur 2,25 Prozent erhalten. Die Stiftung Warentest rät deshalb, auf einen marktgerechten Zins schon in den ersten Jahren zu achten, und hält eine selbst gebaute Treppe aus guten Festgeldangeboten für rentabler.

Wir sehen das genauso. Zuwachssparen kann passen, wenn Sie die Kündigungsmöglichkeit als Absicherung schätzen. Vergleichen Sie dann aber den Durchschnittszins über den Zeitraum, den Sie realistischerweise durchhalten, und lassen Sie den Endzins außer Acht.

So bauen Sie Ihre Treppe selbst

Eine eigene Treppe ist schnell eingerichtet. Die eigentliche Arbeit beginnt mit der ersten Fälligkeit.

  1. Betrag abgrenzen. In die Treppe gehört nur Geld, das über Ihre Reserve hinausgeht und für das Sie keinen festen Ausgabetermin haben. Den Notgroschen lassen Sie auf dem Tagesgeldkonto.
  2. Stufen festlegen. Wählen Sie drei bis fünf Laufzeiten und richten Sie die Fälligkeiten nach Ihren Plänen aus. Prüfen Sie dabei, ob der Zinsabstand zwischen kürzester und längster Stufe die Mühe lohnt.
  3. Je Stufe das beste Angebot wählen. Die Festgelder müssen nicht bei derselben Bank liegen. Achten Sie auf die Mindestanlage je Festgeld und auf die Einlagensicherung: Gesetzlich geschützt sind 100.000 Euro je Person und Bank, und mehrere Festgelder bei derselben Bank werden dafür zusammengerechnet (Entschädigungseinrichtung deutscher Banken). Bei größeren Beträgen ist die Treppe ein guter Anlass, das Geld auf mehrere Institute zu verteilen.
  4. Das Laufzeitende regeln. Viele Banken verlängern ein fälliges Festgeld automatisch um dieselbe Laufzeit. Für die Treppe ist das Gift, denn die einjährige Stufe bliebe dann für immer einjährig. Legen Sie deshalb beim Abschluss fest, dass das Geld bei Fälligkeit auf Ihr Referenzkonto ausgezahlt wird, und legen Sie es dann bewusst auf der obersten Stufe neu an. Eine Erinnerung im Kalender einige Wochen vor dem Termin genügt.
  5. Freistellungsaufträge verteilen. Liegen die Stufen bei mehreren Banken, braucht jede einen eigenen Freistellungsauftrag. Zusammen dürfen sie den Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro, bei zusammen veranlagten Ehepaaren 2.000 Euro, nicht überschreiten (§ 20 Abs. 9 EStG).
  6. Bei jeder Fälligkeit neu prüfen. Ist der Zinsabstand zwischen kurzen und langen Laufzeiten geschrumpft, spricht nichts dagegen, die frei werdende Stufe vorübergehend kürzer anzulegen. Die Treppe ist ein Gerüst, kein Vertrag mit sich selbst.

Der Steuervorteil liegt in der Zinszahlung, nicht in der Treppe

In vielen Ratgebern lesen Sie, die Zinstreppe spare Steuern, weil sich die Zinsen auf mehrere Jahre verteilen und den Sparer-Pauschbetrag so besser ausschöpfen. Das stimmt nur im Vergleich mit einem Festgeld, das die Zinsen erst am Ende der Laufzeit auszahlt. Zinsen werden in dem Jahr versteuert, in dem sie Ihnen zufließen (§ 11 EStG). Bei einem endfälligen Vierjahresfestgeld fallen sie gebündelt im letzten Jahr an; bei jährlicher Zinszahlung fließt dagegen jedes Jahr ein Teil, ganz gleich, ob Sie eine Treppe gebaut haben oder nicht.

Ein Beispiel für einen ledigen Sparer ohne weitere Kapitalerträge und ohne Kirchensteuer: 40.000 Euro für vier Jahre zu 3,00 Prozent bringen 1.200 Euro Zinsen im Jahr. Werden sie jährlich ausgezahlt, liegen jeweils 200 Euro über dem Pauschbetrag. Darauf fallen 25 Prozent Abgeltungsteuer und der Solidaritätszuschlag an (§ 32d EStG), zusammen 52,75 Euro im Jahr und 211 Euro über die gesamte Laufzeit. Werden dieselben 4.800 Euro erst am Ende gezahlt, sind im vierten Jahr 3.800 Euro steuerpflichtig, und die Steuer beträgt 1.002,25 Euro. Die Treppe aus unserem Beispiel kommt auf 179,35 Euro Steuern, aber nur, weil sie in der Aufbauphase weniger Zinsen abwirft.

Einen eigenen Steuervorteil hat die Treppe also nicht. Entscheidend ist, dass die Zinsen jedes Jahr fließen. Achten Sie bei mehrjährigen Festgeldern deshalb auf eine jährliche Zinszahlung oder Gutschrift, ob innerhalb einer Treppe oder außerhalb.

Häufige Fragen

Wie viele Stufen sollte eine Zinstreppe haben?

Drei bis fünf. Mit drei Stufen wird jedes Jahr ein Drittel fällig, die längste Laufzeit beträgt aber nur drei Jahre. Fünf Stufen bringen meist etwas höhere Zinsen, binden jede Stufe jedoch fünf Jahre und setzen fünf Festgelder voraus, deren Mindestanlagen erfüllt sein müssen. Für die meisten Sparer halten wir vier Stufen für einen guten Kompromiss.

Was passiert, wenn ich vor der nächsten Fälligkeit Geld brauche?

Dann gilt dasselbe wie bei jedem Festgeld: Eine vorzeitige Kündigung ist in der Regel nicht vorgesehen, und lässt die Bank sie aus Kulanz zu, kann das Zinsen kosten. Die Treppe verkürzt die Wartezeit auf höchstens ein Jahr, sie hebt die Bindung aber nicht auf. Eine Reserve für Unvorhergesehenes gehört deshalb nicht in die Treppe.

Lohnt sich eine Zinstreppe auch bei steigenden Zinsen?

Ja, wenn auch weniger als eine Folge kurzer Festgelder. In unserem Szenario mit steigenden Zinsen liegt die Treppe nur knapp hinter der Strategie, jedes Jahr neu für ein Jahr anzulegen, weil sie jede fällige Stufe zum höheren Zins erneuert. Wer sicher wüsste, dass die Zinsen steigen, würde kurz anlegen. Diese Gewissheit hat aber niemand, und wer falsch liegt, verliert mit kurzen Laufzeiten deutlich mehr als mit der Treppe.

Unser Fazit

Die Zinstreppe ist die vernünftigste Antwort auf eine Frage, die niemand seriös beantworten kann: ob die Zinsen in den kommenden Jahren steigen oder fallen. Sie bringt in keinem Szenario das beste Ergebnis, aber auch in keinem das schlechteste, und sie gibt Ihnen jedes Jahr Zugriff auf einen Teil Ihres Geldes, ohne dass Sie auf den Zins langer Laufzeiten verzichten müssen.

Geeignet ist sie für Sparer mit einem Betrag ab etwa 20.000 Euro, der über den Notgroschen hinausgeht und für den es keinen festen Ausgabetermin gibt. Voraussetzung für einen Mehrertrag ist ein spürbarer Zinsabstand zwischen kurzen und langen Laufzeiten. Fehlt er, bringt die Treppe kaum mehr als ein einjähriges Festgeld, das Sie jedes Jahr erneuern.

Bauen Sie die Treppe selbst, mit dem jeweils besten Angebot für jede Laufzeit, und legen Sie bei jeder Fälligkeit bewusst auf der obersten Stufe nach, statt die automatische Verlängerung der Bank laufen zu lassen. Fertige Pakete der Hausbank sind bequem, aber entscheidend ist ihr Durchschnittszins, nicht der Werbezins der ersten Stufe.

Welche Zinsen die Banken derzeit für die einzelnen Laufzeiten zahlen, zeigt unser Festgeldvergleich. Wie sich eine Treppe mit Ihren Beträgen und Laufzeiten entwickelt, rechnet unser Festgeldleiter-Rechner durch.