Tagesgeld oder Festgeld: Welche Anlage passt zu welchem Sparziel?
Wer zwischen Tagesgeld und Festgeld wählt, schaut meist zuerst auf den Zinssatz. Das ist verständlich, führt aber häufig in die falsche Richtung. Beide Anlageformen sind gleich sicher, beide kosten bei den meisten Banken nichts, und der Zinsabstand zwischen ihnen ist oft kleiner, als die Werbung vermuten lässt. Was sie wirklich trennt, ist die Frage, wann Sie wieder an Ihr Geld kommen. Genau daran sollte sich die Entscheidung ausrichten.
Unsere Position ist deshalb eindeutig: Geld, das Sie möglicherweise kurzfristig brauchen, gehört aufs Tagesgeld, auch wenn ein Festgeld gerade ein paar Zehntelprozentpunkte mehr bietet. Festgeld lohnt sich für Beträge, deren Verwendungszeitpunkt Sie kennen oder die Sie mit Sicherheit für eine bestimmte Zeit nicht anrühren werden. Die Zinsfrage kommt erst danach – und sie ist weniger eindeutig, als sie auf den ersten Blick wirkt.
Worin sich Tagesgeld und Festgeld unterscheiden
Ein Tagesgeldkonto ist ein verzinstes Sparkonto ohne Laufzeit. Sie können jederzeit Geld einzahlen und es auf Ihr Girokonto zurücküberweisen, das bei der Kontoeröffnung als Referenzkonto hinterlegt wird. Im Gegenzug darf die Bank den Zinssatz jederzeit ändern, nach oben wie nach unten. Beim Festgeld legen Sie einen festen Betrag für eine vereinbarte Laufzeit an, die je nach Bank zwischen wenigen Monaten und mehreren Jahren liegt. Der Zinssatz steht vom ersten bis zum letzten Tag fest; dafür kommen Sie vor dem Ende der Laufzeit in der Regel nicht an Ihr Geld und können auch nichts nachzahlen.
| Tagesgeld | Festgeld | |
|---|---|---|
| Verfügbarkeit | jederzeit per Überweisung aufs Referenzkonto | erst zum Ende der Laufzeit, vorzeitig nur in Ausnahmefällen |
| Zinssatz | variabel, die Bank kann ihn jederzeit ändern | fest für die gesamte Laufzeit |
| Laufzeit | unbefristet | vereinbart, von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren |
| Einzahlungen | jederzeit möglich | einmalig zu Beginn |
| Planbarkeit des Zinsertrags | gering | vollständig |
| Mindestanlage | meist keine | häufig ein Mindestbetrag |
| Einlagensicherung | gesetzlich bis 100.000 Euro pro Person und Bank | gesetzlich bis 100.000 Euro pro Person und Bank |
Eine Zeile fehlt in dieser Tabelle bewusst: die zur Zinshöhe. Die verbreitete Regel, Festgeld bringe mehr als Tagesgeld, trifft oft zu, aber längst nicht immer. Neukundenangebote beim Tagesgeld liegen regelmäßig über den Festgeldzinsen vergleichbarer Laufzeiten, und wenn der Markt mit sinkenden Zinsen rechnet, sind längere Festgelder mitunter sogar schlechter verzinst als kürzere.
Die entscheidende Frage: Wann brauchen Sie das Geld?
Bevor Sie Zinssätze vergleichen, lohnt ein ehrlicher Blick darauf, wofür das Geld eigentlich gedacht ist. In der Praxis lassen sich Ersparnisse fast immer einer von drei Gruppen zuordnen.
Zur ersten Gruppe gehört Geld, das Sie jederzeit brauchen könnten, ohne zu wissen, wann. Das ist die Reserve für die kaputte Waschmaschine, die Autoreparatur oder einen Einkommensausfall, aber auch ein Puffer für Ausgaben, die zwar absehbar sind, deren Höhe und Zeitpunkt aber schwanken. Dieses Geld muss da sein, wenn es gebraucht wird, und nicht erst dann, wenn eine Laufzeit endet. Von den beiden Anlageformen kommt hier nur das Tagesgeld infrage.
Die zweite Gruppe ist Geld mit einem festen Termin: die Steuernachzahlung im kommenden Frühjahr, der Autokauf in anderthalb Jahren, die Studiengebühren zum Wintersemester. Betrag und Datum kennen Sie ziemlich genau. Für solches Geld ist Festgeld wie gemacht, vorausgesetzt, die Laufzeit endet vor dem Termin und nicht danach.
Die dritte Gruppe ist Geld, das sicher übrig ist, für das es aber noch keinen konkreten Zweck gibt – etwa Ersparnisse, die über die Reserve hinausgehen, oder ein Teil einer Erbschaft. Hier können Sie frei abwägen. Entscheidend ist, wie lange Sie den Betrag mit Gewissheit entbehren können.
Viele Fehlentscheidungen entstehen, weil Geld der falschen Gruppe zugeordnet wird. Wer seine Notreserve für zwei Jahre ins Festgeld legt, weil der Zins verlockend ist, hat sie in Wahrheit aufgelöst. Umgekehrt lassen manche Sparer einen fest verplanten Betrag jahrelang auf dem Tagesgeldkonto liegen und verzichten damit auf die Planungssicherheit, die sie sich ohne Nachteil hätten sichern können.
Was die Flexibilität kostet
Flexibilität hat einen Preis, nämlich den Zinsabstand, den Sie beim Festgeld möglicherweise zusätzlich bekämen. Dieser Preis wird regelmäßig überschätzt, wie ein einfaches Rechenbeispiel mit angenommenen Zinssätzen zeigt.
Angenommen, Sie halten eine Reserve von 10.000 Euro, und ein Festgeld bietet 0,5 Prozentpunkte mehr als Ihr Tagesgeld. Über ein Jahr macht das vor Steuern 50 Euro aus. Dem steht das Risiko gegenüber, das Geld doch zu brauchen. Müssen Sie bei gebundener Reserve einen Engpass von 2.000 Euro drei Monate lang über den Dispokredit überbrücken, kostet das bei einem angenommenen Dispozins von 11 Prozent rund 55 Euro – mehr als der gesamte Zinsvorteil des Jahres. Dabei ist der Dispo noch der glimpfliche Fall. Wer eine Rechnung nicht rechtzeitig begleichen kann, zahlt Mahngebühren oder Verzugszinsen obendrauf.
Das spricht nicht gegen Festgeld, wohl aber für eine saubere Aufteilung. Für Geld, das Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht brauchen, ist der Zinsvorsprung leicht verdient. Für die Reserve halten wir den Tausch für ein schlechtes Geschäft: Sie setzen für wenige Dutzend Euro im Jahr genau die Funktion aufs Spiel, für die Sie das Geld überhaupt zurückgelegt haben.
Warum der höhere Zinssatz allein nichts entscheidet
Ein Tagesgeldzins und ein Festgeldzins lassen sich nicht direkt vergleichen. Der Festgeldzins ist eine Zusage für die gesamte Laufzeit. Der Tagesgeldzins ist eine Momentaufnahme, bei Neukundenangeboten oft eine, die nur wenige Monate gilt. Vergleichen sollten Sie deshalb nicht zwei Prozentsätze, sondern den Ertrag über denselben Zeitraum.
Ein Rechenbeispiel, ebenfalls mit angenommenen Zinssätzen: Sie wollen 20.000 Euro für ein Jahr anlegen. Ein Tagesgeldkonto bietet Neukunden 3,5 Prozent für die ersten vier Monate, danach gelten 2,0 Prozent. Ein Festgeld mit zwölf Monaten Laufzeit bringt 2,9 Prozent.
| Zeitraum | Tagesgeld | Festgeld |
|---|---|---|
| Monate 1 bis 4 | 233,33 € (3,5 %) | 193,33 € (2,9 %) |
| Monate 5 bis 12 | 266,67 € (2,0 %) | 386,67 € (2,9 %) |
| Zinsertrag nach einem Jahr | 500,00 € | 580,00 € |
Vereinfachte Rechnung ohne Zinseszins innerhalb des Jahres. Mit monatlicher Zinsgutschrift käme das Tagesgeld auf rund 506 Euro, am Ergebnis ändert das nichts.
Das Festgeld liegt vorn, obwohl sein Zinssatz auf den ersten Blick deutlich niedriger ist. Den Ausschlag gibt der Zins nach dem Ende der Aktion, und den kennen Sie beim Abschluss nicht. In unserem Beispiel liegt die Schwelle bei 2,6 Prozent: Zahlt die Bank danach mehr, gewinnt das Tagesgeld, zahlt sie weniger, das Festgeld. Steigt der Folgezins etwa auf 3,2 Prozent, bringt das Tagesgeld 660 Euro und damit 80 Euro mehr.
Für die Praxis heißt das: Wer ein Aktionsangebot beim Tagesgeld mit einem Festgeld vergleicht, sollte den Zins nach der Aktion realistisch ansetzen, statt den heutigen Spitzenwert in Gedanken über die ganze Zeit fortzuschreiben. Wer bereit ist, nach dem Ende der Aktion konsequent zur nächsten Bank zu wechseln, darf anders rechnen als jemand, der das Konto danach einfach weiterlaufen lässt. Dabei sollten Sie ehrlich zu sich selbst sein, denn ein geplanter Wechsel bleibt im Alltag leicht liegen.
Zinsen steigen, Zinsen fallen: Wer trägt welches Risiko?
Festgeld gilt als die sichere, Tagesgeld als die flexible Variante. Beim Zins ist das nur die halbe Wahrheit, denn in beiden Fällen tragen Sie ein Zinsrisiko, bloß in entgegengesetzter Richtung. Beim Tagesgeld ist es das Risiko sinkender Zinsen: Senkt die Bank den Satz, verdienen Sie ab sofort weniger. Beim Festgeld ist es das Risiko steigender Zinsen: Ihr Satz bleibt, auch wenn neue Angebote längst besser sind, und vor dem Ende der Laufzeit können Sie nicht umsteigen.
Wie schnell sich die Lage drehen kann, zeigen die vergangenen Monate. Die Europäische Zentralbank hatte ihren Einlagesatz bis Juni 2025 schrittweise auf 2,00 Prozent gesenkt und danach ein Jahr lang nicht angetastet. Mit Wirkung zum 17. Juni 2026 hob sie ihn auf 2,25 Prozent an, seit dem 16. September 2026 liegt er bei 2,50 Prozent (EZB-Leitzinsen). Wer sich vor dieser Wende ein mehrjähriges Festgeld gesichert hat, ist an einen Satz gebunden, den neue Angebote inzwischen übertreffen können.
Gleichzeitig ist die Inflation zurück. Für September 2026 meldet das Statistische Bundesamt eine vorläufige Teuerungsrate von 3,3 Prozent, getrieben vor allem von den Energiepreisen (Destatis). Liegt der Sparzins darunter, schrumpft die Kaufkraft Ihres Guthabens, obwohl der Kontostand wächst. Das betrifft Tages- und Festgeld gleichermaßen und spricht für keine der beiden Formen, wohl aber dagegen, größere Beträge unverzinst auf dem Girokonto liegen zu lassen.
Bleibt die naheliegende Frage, ob man die Zinsentwicklung nicht abschätzen und die Laufzeit danach wählen kann. Wir raten davon ab. In den Festgeldzinsen steckt bereits zu einem guten Teil, was der Markt für die kommenden Jahre erwartet. Wer eine lange Laufzeit wählt, weil er mit sinkenden Zinsen rechnet, wettet also darauf, es besser zu wissen als die Banken, die ihre Angebote auf genau dieser Erwartung kalkulieren. Das geht mal gut und mal nicht – und die Verfügbarkeit des eigenen Geldes sollte von einer solchen Wette nicht abhängen.
Sinnvoller ist ein nüchterner Grundsatz: Die Laufzeit richtet sich nach dem Sparziel. Die Zinserwartung darf höchstens dann den Ausschlag geben, wenn zwei Laufzeiten gleich gut zum Ziel passen. Wer etwa zwischen einem und zwei Jahren schwankt, kann bei steigenden Leitzinsen zur kürzeren Laufzeit tendieren, um früher neu anlegen zu können, oder den Betrag aufteilen und sich gar nicht erst festlegen.
Welche Anlage zu welchem Sparziel passt
Notgroschen und laufende Reserve
Tagesgeld, ohne Wenn und Aber. Die Reserve erfüllt ihren Zweck nur, wenn sie innerhalb weniger Tage auf dem Girokonto ist. Ein Festgeld mit kurzer Laufzeit ändert daran nichts, denn auch drei Monate sind zu lang, wenn im Januar die Heizung ausfällt. Wie groß die Reserve sein sollte, hängt von Ihren Fixkosten ab, von der Sicherheit Ihres Einkommens und davon, welche Schäden Ihre Versicherungen abfangen.
Ausgabe mit festem Termin
Steuernachzahlung, Autokauf, Hochzeit oder die Einrichtung der neuen Wohnung: Steht der Termin fest, ist Festgeld die naheliegende Wahl. Wählen Sie eine Laufzeit, die einige Wochen vor dem Termin endet, damit zwischen Rückzahlung und Überweisung kein Engpass entsteht. Passt keine der angebotenen Laufzeiten genau, ist die kürzere die bessere Wahl; die Restzeit überbrückt das Tagesgeld.
Bei kurzen Zeiträumen lohnt allerdings ein Blick auf die Größenordnung. Liegen bis zum Termin nur noch vier Monate, bringen 8.000 Euro bei einem angenommenen Zinsvorsprung von 0,4 Prozentpunkten knapp 11 Euro mehr. Für ein zusätzliches Konto ist das kaum der Mühe wert, wenn Ihr Tagesgeld ordentlich verzinst ist.
Ausgabe ohne festen Termin
Eigenkapital für die Immobilie, ein geplanter Umbau, der Schritt in die Selbstständigkeit: Der Zweck ist klar, der Zeitpunkt nicht. Gerade beim Immobilienkauf hängt der Tag, an dem der Kaufpreis fällig wird, vom Kaufvertrag und von Bedingungen ab, die Sie nicht allein in der Hand haben. Solche Beträge würden wir überwiegend auf dem Tagesgeld halten. Wer sicher weiß, dass der Kauf frühestens in zwei Jahren ansteht, kann einen Teil für ein Jahr fest anlegen und den Rest flexibel lassen. Ein Festgeld, das über den frühestmöglichen Termin hinausläuft, ist hier das größere Risiko als ein etwas niedrigerer Zins.
Verkaufserlös oder Abfindung zwischenparken
Wer eine Immobilie verkauft, eine Abfindung erhält oder sich eine Lebensversicherung auszahlen lässt, braucht oft einige Wochen oder Monate, um über die weitere Anlage zu entscheiden. Für diese Phase ist Tagesgeld die richtige Wahl: Das Geld bringt Zinsen, ohne dass Sie sich festlegen. Bei solchen Summen lohnt ein Blick auf die Einlagensicherung. Bei deutschen Banken sind zeitweise hohe Guthaben aus solchen Anlässen bis zu 500.000 Euro geschützt, allerdings nur höchstens sechs Monate lang (Entschädigungseinrichtung deutscher Banken). Danach gilt wieder die reguläre Grenze von 100.000 Euro pro Person und Bank. Wer länger überlegt, sollte den Betrag rechtzeitig auf mehrere Banken verteilen.
Geld ohne festen Zweck für einige Jahre
Haben Sie Ersparnisse, die über die Reserve hinausgehen und die Sie in den nächsten Jahren mit Gewissheit nicht brauchen, spielt Festgeld seine Stärke aus. Sie sichern sich einen Zins für die gesamte Laufzeit und müssen sich weder um Folgezinsen noch um auslaufende Aktionen kümmern. Für viele Sparer ist gerade das der eigentliche Vorteil: Ein Festgeld, das man einmal abschließt und zum Laufzeitende wieder prüft, macht weniger Arbeit als ein Tagesgeld, dessen Zins man im Auge behalten muss. Wer die Bindung nicht an einem einzigen Datum festmachen will, verteilt den Betrag auf mehrere Festgelder mit unterschiedlichen Fälligkeiten.
Langfristiger Vermögensaufbau
Für Geld, das zehn Jahre oder länger arbeiten soll, sind Tagesgeld und Festgeld nur bedingt die richtige Antwort. Beide erhalten den Nominalwert, bieten aber wenig Spielraum, um nach Steuern und Inflation real Vermögen aufzubauen. Wer langfristig spart und zwischenzeitliche Kursverluste aushalten kann, sollte zumindest prüfen, ob ein Teil des Geldes in breit gestreute Wertpapiere gehört. Tages- und Festgeld bleiben dann der Baustein für Sicherheit und Liquidität.
| Sparziel | Unsere Empfehlung | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| Notgroschen, laufende Reserve | Tagesgeld | Zugriff innerhalb weniger Tage |
| Ausgabe mit festem Termin | Festgeld | Laufzeit endet vor dem Termin |
| Ausgabe ohne festen Termin | überwiegend Tagesgeld | Bindung nie über den frühestmöglichen Termin hinaus |
| Verkaufserlös, Abfindung parken | Tagesgeld | erhöhter Einlagenschutz gilt nur sechs Monate |
| Freies Geld für einige Jahre | Festgeld, gern gestaffelt | Betrag ist mit Gewissheit entbehrlich |
| Vermögensaufbau über zehn Jahre und mehr | Tages- und Festgeld als Sicherheitsbaustein | Kaufkraft nach Steuern und Inflation |
Tagesgeld und Festgeld sinnvoll kombinieren
Für die meisten Haushalte lautet die ehrliche Antwort auf die Frage „Tagesgeld oder Festgeld?“: beides, aber mit klarer Aufgabe für jeden Topf. Die Reserve und alles, dessen Termin ungewiss ist, liegen auf dem Tagesgeldkonto. Beträge mit festem Termin oder ohne absehbaren Bedarf liegen im Festgeld, jeweils mit passender Laufzeit.
Wer größere Summen hat, kann den Festgeldtopf auf mehrere Laufzeiten verteilen. Dann wird in regelmäßigen Abständen ein Teil fällig, und Sie entscheiden jedes Mal neu, ob Sie das Geld brauchen oder es zu den dann geltenden Zinsen wieder anlegen. Die Staffelung verringert zugleich das Zinsrisiko, weil nie der gesamte Betrag zum selben Zeitpunkt zu einem einzigen Satz gebunden ist.
Zwischen beiden Formen gibt es auch Mischprodukte. Einige Banken bieten sogenanntes Flex- oder Kombigeld an: Sie legen zu einem festen Zins an, dürfen aber einen Teil des Guthabens, manchmal auch das ganze, vorzeitig abrufen. Dafür liegt der Zins in der Regel etwas unter dem eines klassischen Festgelds. Interessant sind solche Angebote, wenn Sie den Termin ungefähr, aber nicht genau kennen. Als Notreserve taugen sie aus unserer Sicht trotzdem nicht, denn die Abrufbedingungen unterscheiden sich von Bank zu Bank, und im Ernstfall wollen Sie nicht erst das Kleingedruckte studieren.
Einlagensicherung und Steuern: Was bei beiden gilt
Einlagensicherung
Bei der Sicherheit gibt es zwischen Tages- und Festgeld keinen Unterschied. Beide sind Bankeinlagen und in der EU gesetzlich bis 100.000 Euro pro Person und Bank geschützt. Wichtig ist der Zusatz „pro Bank“: Haben Sie Tagesgeld und Festgeld beim selben Institut, werden beide Guthaben für die Schutzgrenze zusammengerechnet. Bei einem Gemeinschaftskonto hat jeder Kontoinhaber einen eigenen Anspruch bis zu dieser Grenze (Entschädigungseinrichtung deutscher Banken). Wer mehr als 100.000 Euro anlegt, verteilt den Betrag deshalb auf mehrere Banken, ganz gleich, ob er sich für Tages- oder Festgeld entscheidet.
Steuern: Beim Festgeld zählt die Art der Zinszahlung
Zinsen aus Tages- und Festgeld sind Kapitalerträge. Bis zum Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro im Jahr, bei zusammen veranlagten Ehepaaren 2.000 Euro, bleiben sie steuerfrei (§ 20 Abs. 9 EStG). Damit die Bank gar nicht erst Steuern einbehält, brauchen Sie dort einen Freistellungsauftrag. Für Zinsen oberhalb des Pauschbetrags fallen 25 Prozent Abgeltungsteuer an, zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer (§ 32d EStG).
Für die Wahl zwischen Tages- und Festgeld wird ein Detail wichtig, das in kaum einem Vergleich auftaucht: Zinsen werden in dem Jahr versteuert, in dem sie Ihnen zufließen (§ 11 EStG). Beim Tagesgeld schreibt die Bank die Zinsen meist monatlich oder vierteljährlich gut, sie verteilen sich also gleichmäßig über die Jahre. Bei mehrjährigem Festgeld haben Sie dagegen oft die Wahl zwischen einer jährlichen Zinszahlung und einer Auszahlung aller Zinsen am Ende der Laufzeit.
Wie viel davon abhängen kann, zeigt ein letztes Rechenbeispiel mit angenommenen Werten. Sie legen 30.000 Euro für drei Jahre zu 3,0 Prozent an und haben sonst keine Kapitalerträge. Bei jährlicher Zinszahlung erhalten Sie dreimal 900 Euro, die jeweils vollständig in den Pauschbetrag passen; Steuern fallen keine an. Sammelt die Bank die Zinsen dagegen an und zahlt sie erst am Ende aus, fließen Ihnen im dritten Jahr auf einen Schlag 2.781,81 Euro zu. Nach Abzug des Pauschbetrags bleiben 1.781,81 Euro steuerpflichtig, darauf werden 469,95 Euro Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag fällig, ohne Kirchensteuer gerechnet. Der Zinseszins bringt bei der Endfälligkeit zwar rund 80 Euro mehr, der Steuernachteil ist aber ein Vielfaches davon.
Haben Sie ohnehin jedes Jahr Kapitalerträge oberhalb des Pauschbetrags, spielt die Art der Zinszahlung kaum eine Rolle. Für alle anderen gilt: Prüfen Sie bei Festgeldern mit mehr als einem Jahr Laufzeit vor dem Abschluss, wann die Bank die Zinsen auszahlt.
Häufige Fragen
Kann man mit Tagesgeld oder Festgeld Geld verlieren?
Nominal nicht, solange Ihr Guthaben bei einer Bank innerhalb der Grenze der Einlagensicherung bleibt. Anders als bei Aktien oder Fonds gibt es keine Kursschwankungen; was Sie einzahlen, bekommen Sie zuzüglich Zinsen zurück. Real kann Ihr Geld dennoch an Wert verlieren: Liegt die Inflation über Ihrem Zins nach Steuern, sinkt die Kaufkraft des Guthabens, obwohl der Kontostand steigt.
Kann ich ein Festgeld vorzeitig kündigen?
In der Regel nicht, denn bei den meisten Banken ist eine vorzeitige Kündigung vertraglich nicht vorgesehen. Ausnahmen gibt es bei einem wichtigen Grund, etwa im Todesfall. Manche Banken zahlen auf Anfrage auch aus Kulanz vorzeitig aus, behalten dann aber meist einen Teil der Zinsen ein. Planen Sie deshalb so, als käme eine vorzeitige Auszahlung nicht infrage, und lesen Sie die Bedingungen vor dem Abschluss.
Was passiert, wenn die Zinsen während der Laufzeit steigen?
Ihr Festgeldzins bleibt bis zum Ende der Laufzeit unverändert. Von höheren Zinsen profitieren Sie erst, wenn das Festgeld fällig wird. Das ist der Preis für die Garantie, die Sie im umgekehrten Fall vor sinkenden Zinsen schützt. Achten Sie zum Laufzeitende darauf, ob die Bank das Festgeld automatisch verlängert und zu welchem Zinssatz.
Lohnt sich Festgeld auch bei kleinen Beträgen?
Rechnen Sie nach, bevor Sie dafür ein weiteres Konto eröffnen. Bei 2.000 Euro und einem angenommenen Zinsvorsprung von 0,5 Prozentpunkten bringt ein Jahr Festgeld 10 Euro mehr als das Tagesgeld. Dafür nehmen Sie eine Kontoeröffnung und die Bindung des Geldes in Kauf, und viele Banken verlangen ohnehin einen Mindestbetrag. Bei kleinen Summen ist ein ordentlich verzinstes Tagesgeld meist die praktischere Lösung.
Unser Fazit
Tagesgeld und Festgeld konkurrieren weniger miteinander, als die Frage im Titel vermuten lässt. Sie haben unterschiedliche Aufgaben, und die meisten Sparer brauchen beide. Aufs Tagesgeld gehört alles, was Sie kurzfristig oder zu einem ungewissen Zeitpunkt brauchen könnten, allen voran die Notreserve. Festgeld ist die bessere Wahl für Geld, dessen Termin Sie kennen oder das Sie mit Gewissheit für eine bestimmte Zeit entbehren können. Die Laufzeit richtet sich nach diesem Termin und nicht nach einer Zinsprognose.
Beim Zinsvergleich sollten Sie sich nicht vom höchsten Prozentsatz leiten lassen. Rechnen Sie den Ertrag über dieselbe Zeitspanne, setzen Sie bei Aktionsangeboten einen realistischen Folgezins an, und prüfen Sie bei mehrjährigem Festgeld, wann die Zinsen ausgezahlt werden. Wenn klar ist, welcher Betrag in welchen Topf gehört, lohnt der Blick in die aktuellen Konditionen im Tagesgeldvergleich und im Festgeldvergleich.